Grenze (Foto: Max Bohme @ Unsplash)

Poetry Slam ohne Grenzen

Gemeinsam mit Studieren ohne Grenzen Heidelberg e.V. organisierten wir am 19. November einen Poetry Slam ohne Grenzen. Slammer*innen konnten bis zu zwei Texte vorstellen, einen zum Thema "Grenzen" und einen zu einem Thema ihrer Wahl. Wir stellen die Texte hier vor! 

Texte zu Grenzen

Liebe Ausländerbehörde

von Valentina Poveda

Liebe Ausländerbehörde:
Wenn ich mal gesagt habe
„ich brauche der Bescheinigung für eine Job“
dann nicht, weil ich kein Deutsch kann,
sondern weil mich die Tatsache,
in einem Raum mit einem von euch zu sitzen
extrem nervös macht.
Liebe Ausländerbehörde,
es tut mir leid, wenn ich wieder mal
nicht alle Unterlagen habe,
aber es sind so viele. Und so viele
brauchen Zeit und so viele
hängen nicht von mir ab.
Liebe Ausländerbehörde,
ich warte immer noch
auf meinen neuen Aufenthaltstitel,
obwohl ich schon Ende Juni
bei euch geklopft und gefragt habe:
darf ich hier noch ein Semester bleiben?
Liebe Ausländerbehörde,
könnt ihr mir bitte erklären,
seit wann man eine Bescheinigung
braucht, um ein normaler Mensch zu sein
und das Studium nicht in sechs Semestern
fertig kriegen muss,
sondern vielleicht in sieben oder acht?
Liebe Ausländerbehörde:
Ich verstehe nicht, warum ihr immer
so extrem langsam mit mir redet:
ich brauche Ihren Pass... Pass... passport
als ob ich euch nicht verstehen könnte.
Liebe Ausländerbehörde,
wenn mein Zweck endet,
dann ende ich auch.
Wenn ich bleiben will,
muss ich einen neuen suchen
und wieder Leben und Privatsphäre
gedruckt auf Papier vorbeibringen.
Liebe Ausländerbehörde,
ich will mich nicht beschweren und sagen,
dass Ausländer zu sein manchmal schwierig ist,
aber mal wurde ich von der Polizei angehalten,
weil ich über eine rote Ampel
gelaufen bin
und die erste Frage, die kam,
war, ob ich deutsch kann.

Dokumente (Foto: Wesley Tingey @ Unsplash)

Liebe Ausländerbehörde,
ich will mich nicht beschweren, weil man eher
dankbar sein sollte, dass man hier bleiben darf.
Man sollte dankbar für jede neue Karte sein.
Man sollte dankbar sein, dass es nicht nur
90 Tage waren,
sondern auch ein Jahr
und dann später zwei
und jetzt hoffentlich
noch ein Semester.
Liebe Ausländerbehörde,
eigentlich macht ihr nur euren Job,
ihr überprüft, ihr lest, ihr lässt durch
oder nicht.
Manchmal frage ich mich, ob ihr versteht,
dass ihr Menschenschicksäle in eurer Hand habt.
Liebe Ausländerbehörde,
ich habe es mir nicht ausgesucht,
in dem einen Land geboren zu sein.
Ich weiß ich hab nicht im Lotto gewonnen
und ich hab keinen Pass,
der mich über alle Grenzen bringt.
Grenzen sind für mich Grenzen.
Grenzen sind für manche Menschen
nur Schilder.
Liebe Ausländerbehörde,
ich weiß jetzt, was du denkst:
das Mädel spricht
und es spricht nur ihr Privileg,
sie hat Geld und kann sich leisten
hier in Deutschland was zu machen.
Liebe Ausländerbehörde,
ich will nicht lügen und sagen,
dass ich nicht dankbar dafür bin,
eine Chance bekommen zu haben,
Aber wir Ausländer sind genauso Menschen
und hinter den Seiten von Unterlagen und Kontoständen
stehen auch Wünsche, Träume, Hoffnungen,
ein ganzes Leben.
Vielleicht muss man einfach Grenzen dehnen,
damit dadurch
die Menschlichkeit passt.

Woher kommst du? - Ausschnitt

von Ioanna Grammatikos

"Woher kommst du?“
Diese Frage. Diese ach so banale Frage, auf die gleichzeitig so viel und so wenig geantwortet werden
kann.
Mein Kopf ist zugleich voller Gegenfragen und Antworten und zugleich leer gepustet.
Aus Kaff A, das liegt bei B. So antwortet Max Mustermann.
Aber was ist, wenn die Antwort nicht so leicht ist?
Aus Belgien. Naja gut nee, nicht wirklich. Also ja, meine Familie wohnt dort noch, aber belgische
Wurzeln habe ich nicht. Aus Deutschland also? Ja aber auch nicht so ganz. Mein Vater kommt
schließlich aus Griechenland. Außerdem: wo in Deutschland? Dort wo ich geboren wurde, dort
komme ich bestimmt nicht her. Ach und aktuell komme ich aus Mannheim. Aber Mannheimerin bin
ich auch nicht.
Was willst du eigentlich wissen?
Am exaktesten bin ich, wenn ich sage „Ich komme aus Europa“. Aber das würde hier keiner
verstehen. Ja natürlich kommst du aus Europa.
Wieso ist „ich komme aus Europa“ so trivial, aber „ich komme nach Europa“ nicht? Zumindest nicht,
wenn du deine Heimat verlassen musstest, um Schutz zu suchen, dein Leben vielfach riskierst und
womöglich schon Menschen, die du liebst verlieren musstest?
Ich komme also aus der Festung Europa, aber da möchte ich nicht herkommen. Ich möchte daher
kommen, wo Menschen Menschen helfen, wo Menschen nicht drei Mal unter fürchterlichen
Umständen ihr Zuhause verlieren müssen, bevor sie mit viel Trara aufgenommen werden, nur um
dann möglichst schnell wieder abgeschoben zu werden.
Ich möchte nicht daher kommen, wo andere Menschen nicht hinkommen können.
[…]

Flugzeug (Foto: Philippe Oursel @ Unsplash)

Was ist, wenn ich anstelle von einer Gruppe junger deutscher Studierender, die neu an irgendeiner
Uni in irgendeinem Fach sind, in einer Gruppe von Menschen gelandet wäre, die aus
unterschiedlichsten Ländern, Zeitaltern und Generationen kommen? Was würde ich dann auf diese
Frage antworten? „Ich komme aus der Zeit, in der die Menschheit aufgehört hat, zu denken“? In der
wir die Zukunft unserer selbst zerstört haben, obwohl wir es besser wussten? In der sich die Politik
Augen und Ohren zuhält, nur um ein System aufrecht zu erhalten, dass sie sich selbst ausgedacht
hat? In der Wissenschaft und Technik auf höchstem Niveau geforscht und gearbeitet haben, uns Tag
für Tag neu aufgezeigt haben, dass wir so selbst die unambitioniertesten Klimaziele verfehlen und wir
dennoch keine Maßnahmen ergriffen haben? Würde ich antworten „Ich komme aus der Zeit, in der
die Straßen voll waren mit Menschen, die für eine gerechte Zukunft gekämpft haben, in der die
Wissenschaft voll war mit Forscher*innen, die gewarnt haben und in der die Politik voll war mit
rücksichtslosen, egoistischen Feiglingen?
Ja, vermutlich würde ich das antworten müssen.
So langsam weiß ich, was ich meinem Gegenüber werde antworten müssen:
Ich komme aus Happyland, dem Land in dem es mir gut geht und anderen schlecht, obwohl ich gar
nichts dafür getan habe, in dem ich lebe, während andere sterben bei dem Versuch, es zu erreichen,
dem Land, das manchen seiner Bewohner*innen systematisch Hindernisse in den Weg stellt, in dem
die happiness eigentlich nur noch eine bröckelnde Fassade ist, ein Abbild dessen, was gar nicht mehr
da ist. Ich komme aus dem Land, das kurz davor ist, entweder sich selbst zu löschen oder den Tunnel
zu verlassen und die Kurve zu kriegen.
Ich schaue mein Gegenüber an und sage: „Sollten wir nicht eher fragen, wo wir hinwollen?“

Grenzen

von Jonathan Schrodt

[...] ich glaube, es geht vielen von uns so, dass wir beim Wort „Grenzen“ erst einmal an Mauern und Zäune denken. Die DDR, die chinesische Mauer, Moria, die Situation an der Grenze zwischen Belarus und Polen. Vielleicht auch an Gefängnisse, an Tierkäfige im Zoo. Gefängnismauern sind ja dazu da, die Lebewesen darin von der Gesellschaft fernzuhalten. Ich glaube, bei Tierkäfigen ist es andersrum. Und trotzdem liest man noch regelmäßig von Menschen, die Löwenkäfige oder Eisbärgitter überwinden, in eine gefährliche Situation geraten, und dann wird das Tier erschossen… hallo?? Wenn ich zu einem Serienkiller ins Gefängnis einbreche, würde man doch auch sagen: Selbst schuld, Idiot, und mich noch zu einer Geldstrafe für Sachbeschädigung verdonnern. Okay, im Gegensatz zu Löwen und Eisbären gibt es von Serienkillern keine Kuscheltiere, die zu einer Verniedlichung beitragen. Vielleicht trägt da also auch die Kuscheltierindustrie eine Teilschuld. Böse Kuscheltierindustrie. Pharma, die Kohleindustrie und die Kuscheltierindustrie, habt Acht davor!
Mauern, Zäune, Türen, Gitter. Aber es gibt noch viele andere Arten von Grenzen. Ich selbst habe Mathematik studiert und dachte, ich bringe euch einmal die mathematische Seite von Grenzen nahe. Was ist ein Limes?
Okay, ich hör ja schon auf. Niemand hat die Absicht, einen Limes zu definieren. Aber ich möchte verschieden Arten von Grenzen betrachten. Sozusagen die Grenzen der Grenzen ausloten. Was gibt es für verschiedene Grenzen?
Naja. Laut meiner modebewussten Schwester habe ich zum Beispiel schon sehr oft die Grenzen des guten Geschmacks überschritten…
Es gibt körperliche Grenzen. Kein Mensch kann 100 Meter in weniger als 9 Sekunden zurücklegen. Kein Mensch kann fliegen. Zumindest nicht nach oben. Ein Teenager ist mal gestorben, nachdem er 42mal masturbiert hatte. Gut zu wissen, jetzt kennen wir das Limit. Ich frage mich aber schon, wer da mitgezählt hat. Der Weltrekord im Wach-Bleiben liegt bei 11 Tagen. Ich hätte ihn fast gebrochen, nachdem ich auf YouTube mal aus Versehen siebzehn richtig gruselige Horror-Kurzfilme gesehen habe. Aber irgendwann bin ich doch eingeschlafen.

Die Erde hat ihre Grenzen (1,5°). Und, naja, also ich meine: Wenn es keine Tierart mehr auf dieser Erde gibt, kann auch keine mehr aussterben! (Ich habe den Eindruck, manche arbeiten genau auf dies 0-Arten-Grenze hin…) Wir können noch so sehr von Wirtschaftswachstum reden, ein unbegrenztes Wachstum auf einem begrenzten Planeten ist nicht möglich.
Es gibt Geschwindigkeitsbegrenzungen (oder auch nicht, danke, FDP!). 120 km/h in einer 70er-Zone ist ein bisschen über der Begrenzung, manchen CDU-Politikern scheint das nicht klar zu sein. Im Verkehr gibt es so einige Grenzen: Eine Fahrbahnmarkierung ist eine Grenze. Ein Fahrradstreifen ist begrenzt, die Anzahl der Fahrradstreifen ist meistens auch begrenzt, und oft genug scheinen auch die Verkehrsplanenden dahinter ein bisschen begrenzt. Eine rote Ampel ist eine zeitlich begrenzte Grenze. Und wenn eine Ampel nur für kurze Zeit irgendwo installiert wird, ist das dann eine zeitlich begrenzte zeitlich begrenzte Grenze? Und wenn eine Ampel nur für kurze Zeit für kurze Zeit installiert wird, okay, ich hör ja schon auf.
Das sind alles rechtliche Grenzen, von denen wir in letzter Zeit so einige hinnehmen mussten und müssen. Zutritt nur mit 2G-Nachweis. Höchstens 5 Haushalte. Ausgangssperre ab 22 Uhr. Vielleicht sehen wir bald wieder die Schilder im Supermarkt: „Nur eine Packung Klopapier pro Person.“ Eigentlich ja voll diskriminierend – denn die größten Arschlöcher brauchen auch das meiste Klopapier!
Manche Menschen kennen da echt keine Grenzen. Der Vater einer Freundin von mir hatte damals im ersten Lockdown seinen Geldbeutel und eine Packung Klopapier im Kofferraum liegen und ihm wurde die Packung Klopapier gestohlen… [...]

Freie Texte

An alle Menschen, die in den Spiegel schauen

von Valentina Poveda

An alle Menschen, die in den Spiegel schauen:
der Spiegel zeigt nicht, wer du bist.
Der Spiegel zeigt dir einen Schatten, eine Hülle,
ein winziger Teil von dem, was dich ausmacht.
Der Spiegel zeigt nicht, wer du bist.
Deine schlauen Gedanken,
deine schönen Gefühle,
deine innere Welt.
Deine inneren Tänze und Kämpfe,
deine inneren Stärken und Schwächen.
Der Spiegel kann sie alle nicht sehen.
Der Spiegel zeigt nicht, wer du bist.
Der Spiegel kann deinen Wert nicht vermessen,
kann nicht entscheiden,
was schön ist und was nicht,
was gut aussieht und was nicht,
was wertvoll ist und was nicht.
Der Spiegel zeigt nicht, wer du bist.
Der Spiegel weiß nicht,
dass du so gut malen kannst,
dass dir Tiere so wichtig sind,
dass du so viel Rücksicht zeigst.
Der Spiegel zeigt nicht, wer du bist.
Der Spiegel kann niemanden
von deinen Fehlern erzählen
und wie du daraus gelernt hast.
Der Spiegel kennt deine Probleme nicht
und noch weniger, wie du sie gelöst hast.
Der Spiegel weiß nichts von der Zeit,
als es dir nicht so gut ging
und du trotzdem
wieder aufgestanden bist.

Spiegel (Foto: Vince Fleming @ Unsplash)

Der Spiegel zeigt nicht, wer du bist.
Kein Spiegel auf der Welt zeigt,
wie nett du bist,
wie freundlich du bist,
wie sehr du dich um andere kümmerst.
Kein Spiegel auf der Welt weiß,
dass du gestern bei deiner Oma warst,
dass du deinem kleinen Bruder Kekse mitgebracht hast,
dass du dem Mann im Supermarkt beim Tragen geholfen hast.
Kein Spiegel auf der Welt zeigt,
wofür du brennst.
Kein Spiegel auf der Welt zeigt deine Leidenschaft,
deine Mühe,
die Sachen, die du tust,
die, die du versuchst
und auch
irgendwann
schaffst.
Kein Spiegel auf der Welt zeigt
was du alles schon geschafft hast.
Kein Spiegel zeigt den Weg,
den du gelaufen bist.
Kein Spiegel zeigt die Berge,
die du schon bestiegen hast.
An alle Menschen, die in den Spiegel schauen
und der Spiegel zurückschaut und verurteilt;
an alle Menschen, die in den Spiegel schauen
und am liebsten jemand anderes vor sich haben würden;
an alle Menschen, die in den Spiegel schauen
und am liebsten genauso schnell wegschauen würden:
Der Spiegel zeigt nicht, wer du bist.

Kein Titel

von Kaya

 Panik zu PayPal Preisen
Ja wo fängt deine Grenze an und wo hört meine auf.
Für andere ist es vielleicht sagen das man verletzt ist
Ich hingegen, 22 Jahre jung komme ins schwitzen wenn mal wieder jemand hinter mir an der Supermarktkasse steht
ratter, ratter murmel murmel oder das ordinäre Geräusch was kommt wenn eine neue Kasse geöffnet wird und man feststellt
es ist die falsche Reihe
fun fact
es immer die falsche Reihe
damm it
Aber wieso eigentlich ?
Das ist so meine Grenze
macht die Sinn
nicht unbedingt
aber die Logik im allgemeinen von Supermarktkassen tut das ja auch nicht auch nicht also.
Denk ich das dass so passt
Ich glaub hier ist klar ich mag echt keine Supermärkte.
Wenn man das jetzt mal betrachtet ist dann, meine Grenze ist dann erreicht wenn hinter mir jemand schreit
da neben die Kasse ist doch noch frei.
Ich habe Augen im Kopf, ich kann das sehen doch ich trau mich nicht mich dann umzudrehen
weil was ist wenn dann wieder ganz viele Leute dann vor mir stehen.
Denn das ist eine Schmach die gebe ich mir dann doch nicht gern.
Ich verzichte.
Aber es ist ja nicht nur der Supermarkt, das wäre dann doch irgendwie bezahlbar.
Man merkt ich bin ein Fan von Metaphern und dummen Sprüchen
um peinliche Momente zu überbrücken.
Oh schön das hat sich sogar gereimt.
sehr poetisch.
Was für ne Metapher aber darum geht's doch was ist schlussendlich der Preis den wir bezahlen um Grenzen zu überwinden
so deep
es sind 8,99 plus Pfand wenn ich mal wieder erneut nen Kasten frisches Mate kauf.
Euro natürlich keine Brote oder Steine, da hat mich der Mathe Unterricht dann doch wohl zu sehr geprägt 
eijei

Supermarkt (Foto: Eduardo Soares @ Unsplash)

Aber was bezahle ich den um meine Hand zu heben um eine Frage abzugeben
Denn das fällt mir einfach ziemlich schwer
da hilft auch leider keine Mate Kiste mehr.
Also was bezahl ich dann hier ?
Ehrlich ich weiß es nicht
hab mir schon tausendmal darüber den Kopf zerbrochen
und letztendlich schlussendlich keine Antwort drauf gefunden
außer vielleicht 42 aber die ist hier nicht bindend
nicht so wie der Preis der Mate Kiste.
Und ich lenk mal wieder ab und red. nicht drüber
denn das ist einfach so mein Ding
denn eigentlich schreib immer ne menge Zeilen und Reime
doch find trotzdem nicht die richtigen Wörter um zu beschreiben
was ist denn jetzt eigentlich ist was mich nicht loslässt.
In dem Fall was meine Grenze jetzt genau eigentlich ist
und ich versuche nicht zu verzagen bei all den Dingen die mich so rumplagen
und versuche dann zu überschlagen was ich denn jetzt schlussendlich sage
ohne vor fragende Gesichte zu geraten
denn manchmal schaut man mich so an
als wüsste ich einfach nichts 
wenn ich mal wieder überfordert so an der Kasse rumstehe
da würds mir schon helfen den weg zur Kasse dann doch nicht allein zu gehen.
Wer die Metapher erkennt bekommt aber dann leider doch keine Treupunkte auf die Paybackkarte
Tut mir leid.
Und die Moral von der Geschicht.
Manchmal steht man doch gern zu zweit verwirrt bei der Kasse.
Was für ne Metapher.

Arbeitstitel - Zwischen den Zeilen

von Kaya

Zwischen uns war nie ein wir
Da war nicht mal ein kaltes Bier
Und du sagt es liegt an dir,
doch glaube mir ich bin diese Lüge dann doch nur noch leid
Ja und du brauchst brauchst mich jetzt nicht so traurig anzusehen
Denn ich kanns selber nicht mal  verstehen
Und ich rede mir jedes mal ein das ist okay
Aber langsam glaube ich ist es einfach nur noch viel zu spät
Und jeder tut so als wäre das nichts wenn schlussendlich zwischen uns das Eis einbricht
Und das nimmt mir dann doch ziemlich den Mut,
da hilft dann auch kein Selbsthilfebuch
Denn das hab ich schon tausendmal versucht
doch gebracht hat es dann schlussendlich nicht,
Und ich kanns Langsam nicht mehr hören
Sag mir jedes mal versuchs doch einfach noch einmal
Den einmal ist besser kein mal
Doch langsam bin Ichs nur noch leid
Jedes mal nur deine zweite Wahl zu sein
Frage mir ich was soll der Scheiß
Denn was uns trennt ist manchmal einfach nur das was uns auseinander treibt.
Denn am Ende bin doch wieder allein
Und du auch
Doch bist toll
Und ich bins nicht
Was für ne Tragik
Hinter all diesen Zeilen frag mich schon ne ganze Weile,
warum fühl ich mich den so alleine
Und geht das nur mir so
Und wenn nicht dann warum redet man darüber nicht
Es schon ganz schön vertrackt
Den schlussendlich sind wir alle gleich
Also bitte redet doch über das was schlussendlich allen so zu schaffen macht
Denn einsam ist man manchmal auch zu zweit oder dritt
Oder auch unter Menschenmassen
Wie soll ich das alles einfach nur alleine schaffen
Denn um Hilfe bitten fehlt mir hier schwer
Oder hab ich hier einfach nur mal wieder was falsch gemacht
Und sage nun zum zweiten mal es ist einfach vertrackt
Spreche ich jetzt an wie ich mich jetzt fühl Oder nicht ich weiß ja nicht
ob das überhaupt irgendwer noch verstehen was da so in mir vorgeht
Oder bin ich dann doch nur irgendwie verkokst
Macht das noch wer mit
Oder bleib ich dann Ende doch allein
Und zwischen den Zeilen da ist manchmal einfach nichts
Sag es tut mit leid
Ja und du brauchst brauchst mich jetzt nicht so traurig anzusehen
Denn ich kanns kanns glaub ich langsam verstehen
Und ich sage mir irgendwann wird es dann okay

Der Weg ist das Ziel - Ausschnitt

von Ioanna Grammatikos

Ich glaube, ich habe eine Sprichwortfindungsstörung.
Sprichwörter und ich - das klappt einfach nicht. Irgendwie kann ich mir die nicht richtig
merken und dann kommen immer sehr interessante Mischungen raus wie „Das war wie
Butter in den Ohren“ oder „Aus den Haaren ziehen“ und „Die Augen spitzen“.
Auch inhaltlich stolpere ich manchmal ein bisschen, und so hat mich letztens das Sprichwort
„Der Weg ist das Ziel“ ein bisschen beschäftigt:
Weil wenn man reist, ist der Weg doch definitiv der Weg zum Ziel, und nicht das Ziel, oder?
Außer, man macht eine Rundreise – dann stimmt das mit dem Ziel.
Und in der Musik zum Beispiel könnte man ja das Ende eines Stückes als Ziel definieren - und
dann wäre der Weg dahin definitiv das Ziel, sonst - ja, sonst gäbe es irgendwie keine Musik.
[…]

Pfad in Bosnien (Foto: Lili Popper @ Unsplash)

Aber wenn der Weg tatsächlich das Ziel ist, was ist dann das tatsächliche Ziel? Oder wann ist
der Weg zu Ende?
Wie so oft soll dieses Sprichwort vermutlich eigentlich irgendwie tröstlich sein. Oder auch so
ein bisschen lebensphilosophisch? Aber es gibt Situationen, in denen das geradezu fatal
wäre, wenn man diesem Sprichwort folgen würde. Man stelle sich vor, Politker:innen
würden sagen: Ja, die Klimaziele haben wir, aber es ist doch schon gut was wir machen -
schließlich ist der Weg doch das Ziel, nicht wahr? Ähm nein? Ganz und gar nicht. Im
Gegenteil: Hier ist unser Ziel, den Weg so kurz wie möglich zu halten, um möglichst schnell
zum Ziel, zu kommen, zum 1,5 Grad Ziel.
Oh und erzähl das mal einer geflüchteten Person, die über die tödliche Mittelmeerroute
versucht, den schrecklichen Zuständen in ihrem Heimatland zu entfliehen. Während sie mit
zu vielen anderen in traumatisierenden Zuständen auf einem untergehenden Schlauchboot
im Meer versucht, zu überleben, versuchst du ihr klar zu machen, dass der Weg das Ziel ist?
Schulkinder andererseits würden sich sicher freuen, wenn man ihnen sagt „der (Schul-)Weg
ist das Ziel“…
Was passiert eigentlich, wenn wir mal das erste Wort entfernen? Weg ist das Ziel.
Beziehungsweise würde man das dann ja „weg ist das Ziel“ lesen. Auch schön, kann man gut
als Werbeslogan für eine Zahnarztpraxis benutzen: „Karies? Weg ist das Ziel“. Man könnte
auch ein Bild von Armin Laschet nehmen und das als Caption drunter setzen „weg ist das
Ziel“.
[…]
Okay, da ich keine Ahnung habe, was eigentlich mein Ziel ist, mache ich mich mal besser auf
den Weg.